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Drei Freunde
unterhalten sich über ihre Sexualität und Liebe. Das Gespräch
entwickelt
sich ausgehend von Ängsten vor Sexualität, über die Themen
Scham und Gewalt
zu einem Ausblick auf eine Utopie hin. Eine weitere Ebene
des Films sind assoziative Bilder, die die jeweiligen
Gesprächsteile fortführen.
"Die
Uhr tickt total" (Zeitraum Oktober 94 - Februar 96)
Text zur Filmherstellung von der Regisseurin Lilian Franck im Februar
96
"Reden heißt - über die eigene Sexualität reden.
Und über die Sexualität zu reden, heißt,
bereits mitten in der Sexualität zu sein. Das ist nicht dasselbe,
wie über Sport oder übers Büro reden."
Marguerite
Duras, Das tägliche Leben
Motivation
Recherche
Dreh
Schnitt
Tonnachbearbeitung/Musik
Motivation
Von Anfang an wusste
ich, dass ich die die Möglichkeit einen sehr persönlichen
Film zu machen, wahrnehmen wollte. Ich wollte einen Blick nach Innen
wagen und äußere Vorgaben möglichst gering halten, wie
zum Beispiel eine Beschränkung auf eine bestimmte Länge. Daher
rührte auch die Entscheidung teilweise auf Beta zu drehen, um meine
Energie ausschließlich auf Inhaltliches konzentrieren zu können,
anstatt auf Versuche noch mehr Geld zu bekommen, um ausschließlich
auf Film drehen zu können. Außerdem versprach ich mir von
einem größeren Drehverhältnis mehr Freiraum zum Experimentieren.
Einen persönlichen,
nichtkommerziellen Film zu machen bedeutet für mich nicht, nicht
an "den Zuschauer" zu denken. Ich habe ein ehrliches Bedürfnis
zu kommunizieren und versuche mein Anliegen in eine mir und anderen
verständliche Form zu bringen. Ich glaube an den einfachen Gedanken,
dass Dinge die mich interessieren auch andere interessieren.
Die Themenfindung
dauerte lange und war nur über Umwege möglich. Zu Beginn wollte
ich einen assoziativen Film über "Das Ei" machen. Während
dieser Recherche merkte ich, dass mich der Bereich der Sexualität
in diesem Zusammenhang am meisten interessierte. So entschied ich mich,
dies zu meinem Hauptthema zu machen, einerseits "obwohl" und
andererseits "gerade weil" ich mir als ein Mensch vorkam,
der ganz besonders große Angst vor Sexualität hat. Meine
zwei besten Freunde behaupten dasselbe von sich, so entschied ich mich
mit ihnen zu drehen.
Recherche
Ich besuchte meine
beiden Freunde und führte ausgiebige Vorgespräche, um die
ersten Ängste abzubauen. Vor allem die ersten Gespräche mit
meiner Freundin waren sehr stockend und teilweise unverständlich
für Außenstehende. Daraus ergab sich für mich, dass
ein Gespräch zu Dritt für den Dreh am besten wäre und
dass ich beim Dreh nicht ausschließlich Interviewerin sein konnte,
sondern eine gleichberechtigte Gesprächspartnerin, beziehungsweise
Freundin. Um
es gerade bei dem Thema nicht nur beim Wort bleiben zu lassen, hatte
ich vor, experimentelle Körperbilder als weitere Ebene zu finden.
Mit Bildern aus dem Leben meiner Freunde wollte ich mehr zum Verständnis
ihrer Personen beitragen.
Dreh
Der Dreh begann
mit dem ersten Dreiergespräch, welches schon sehr inhaltsreich
und spannend war. Danach drehten wir jeweils 2 Wochen in Dänemark
mit Armgard und zwei Wochen in Amsterdam mit Max. Auf diesen Drehs entstanden
auch die Körperbilder, die ich sehr spontan zusammen mit meiner
Kamerafrau entwickelte. Wir zogen los und konzentrierten uns auf Landschaften
und Gegenstände, die wir vorfanden. Der Gedanke diese Bilder zum
Teil auch im Studio zu drehen wurde völlig verworfen.
Eine sehr schöne Erfahrung war die Teamarbeit für mich, da
wir aufgrund der langen Drehzeit und den unterschiedlichen Erfahrungen
eng zusammenwuchsen.
Team
Die Schwierigkeiten innerhalb des Teams hingen zu Anfang mit den jeweiligen
Funktionen zusammen. Thomas Schlottmann traute sich manchmal als Tonmann
nicht, gleichberechtigt Vorschläge zu machen, aus Angst er könnte
mich zu sehr beeinflussen. Bernadette Paassen fühlte sich manchmal
zu sehr von mir im Stich gelassen.
Eine Schwierigkeit von mir war, teilweise meine eigenen Unsicherheiten
zu sehr durchblicken zu lassen und diese eher destruktiv als konstruktiv
zu sehen.
Gegenüber den Darstellern traten wir manchmal zu sehr "als
Team" im Gegensatz zu "als einzelne Menschen" auf. Dies
war vor allem eine Schwierigkeit zwischen Thomas und Armgard, die sich
schon vor dem Dreh kannten.
Armgard
Am Anfang experimentierte ich noch mit halbinszenierten Szenen, bis
mir auffiel, dass das nicht funktionierte, da Armgard viele Dinge mir
zuliebe tat und nicht, weil sie ihr entsprachen.
Ein weiterer Versuch war sie rund um die Uhr mit der Kamera zu begleiten,
um sie daran zu gewöhnen. Dass das auch der falsche Weg war wurde
uns erst später klar. Die Erkenntnis: es ist einfach ein Unterschied
ob die Kamera da ist oder nicht. Es ist wichtig, dass bewusst gedreht
und bewusst Pause gemacht wird.
Mit Armgard setzte ich mich selber ständig mit dem Zwiespalt auseinander-
in wie weit kann oder muss ich sie in alles einweihen. Ich hatte Schwierigkeiten
mit meiner Zwischen - Position einerseits zum Team und andererseits
zu den Protagonisten zu gehören.
In Dänemark überforderte ich sie, in dem ich von ihr verlangte
Dinge vor der Kamera zu tun, zu denen sie (noch) nicht bereit war, wie
zum Beispiel sich intimer mit ihrer Freundin zu zeigen.
Diese Probleme waren besonders stark, da zwischen Armgard und mir eine
starke persönliche, emotionale Bindung besteht.
Da der Dänemark Dreh nicht so toll lief, gab es noch einen Nachdreh
in Berlin, der für alle Beteiligten schön war.
Max
Mit Max gab es wenig Schwierigkeiten. Zu Anfang hatte ich ausführliche
Diskussionen, wie weit er sich vor der Kamera öffnen würde.
Beim ersten Gespräch ging das auch nur bis zu einem gewissen Punkt,
was beim nächsten Dreh mit ihm in Amsterdam aber nicht mehr der
Fall war.
Max wurde gern gefilmt, sah das Medium auch als Möglichkeit etwas
zu erfahren und wusste klare Grenzen zu ziehen, wann die Kamera dabei
sein sollte und wann nicht. Er wollte nicht in ähnlicher Weise
wie Armgard (die auch selbst Filmemacherin ist) ins Team integriert
werden.
Schnitt
Ich
versuchte viel alleine zu schneiden, zwischen den einzelnen Drehphasen
und auch nach Abschluss der Dreharbeiten. Einzelne Sequenzen oder Szenen
gelangen mir gut, jedoch scheiterte ich daran ein funktionierendes Konzept
für den ganzen Film allein zu entwickeln. Dazu fehlte mir der nötige
Abstand. Die Zusammenarbeit mit Dörte
Völz-Mammarella fand ich sehr spannend und bereichernd. Für
mich war es schwierig mich von sehr viel gutem Material, den Realszenen
mit meinen Freunden, zu trennen. Das hätte ich alleine vermutlich
auch nicht geschafft, sah aber, dass es kein Konzept gab, wie diese
zu integrieren gewesen wären. Sie waren im Gegensatz zu den abstrakten
Bildern und für die behandelten Themen zu realistisch und wirkten
dadurch unpassend oder banal. Die Entscheidung war, keine Persönlichkeitsporträts
zu zeichnen, sondern einen allgemeinen Film zu machen.
Tonnachbearbeitung/Musik
Die Tonnachbearbeitung
hieß eine passende Tonebene beziehungsweise Musik zu den Bildern
zwischen den Gesprächen zu finden. Mit meinem ersten Filmmusiker
konnte ich nicht zusammenkommen, da er eine andere Auffassung von dem
Film hatte, als ich, so dass ich seine Musik komplett verwerfen musste.
Gemeinsam mit meinem Tonmischer, Christoph Engelke, experimentierte
ich mit Geräuschen, selbst aufgenommen Versuchen gemeinsam mit
verschiedenen Musikern, teilweise zum Bild, teilweise ohne Bild, sowie
mit Konservenmusik. Im Laufe der Zeit merkte ich mehr und mehr wie sensibel
diese Bilder wirklich sind. Nach einem Monat Ausprobieren wurde uns
klar, dass wir jetzt zwar genauer wissen, was wir wollen, jedoch es
selber nicht verwirklichen können, dass heißt noch mal einen
Komponisten suchen mussten. Diesmal konnte ich Ulrich
Reuter überzeugen, einen Musiker, den ich schon gut kannte,
der mit unseren Aufnahmen eine Musik über den ganzen Film entwarf,
die meiner Meinung nach jetzt auch funktioniert.
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