| Früher
ging ich gewöhnlich spazieren.
Ich wollte die Menschen, denen ich begegnete berühren.
Doch ich zog sie nur mit meinen Augen aus.
Früher
hatte ich eine Katze.
Bei ihr holte ich mir alle Zärtlichkeit, die ich brauchte.
Dann
wurde ich angefaßt.
Die anderen nannten das Sexualität.
Heute
gehe ich wieder spazieren.
Meine Augen trage ich wie Murmeln in der Hosentasche.
Manchmal hole ich sie heraus, um damit zu spielen.
Damit will ich hauptsächlich die wilden Katzen locken.
Gedicht:
Lilian Franck |
Cora
arbeitet als Aktmodell. Mitten in einer Sitzung geht der Fotograf
weg und läßt Cora allein in seinem Studio zurück.
Während sie auf ihn wartet, untersucht sie ihren Körper,
der so makellos auf seinen Fotos abgebildet ist. Szenen aus ihrer
Kindheit, die in ihrem Körper verborgen sind, sprengen ihre
Haut auf, um an die Oberfläche zu kommen. Ist Cora immer
noch das einsame Mädchen von früher? Haben ihre Erlebnisse
von damals einen Einfluß auf ihre heutige Beziehung zu ihrem
Körper, auf ihre Sexualität? Phantastische Körperbilder
stürmen auf sie ein. Sind das unbewußte Vorstellungen
oder Fotos, die Cora jetzt von sich selbst macht? Akzeptiert Cora
diese Bilderflut? |